Rede zur Namensgebung “Melissantes Gymnasium” Arnstadt

6. Juli 2016

Sehr geehrte Frau Stelzer,
sehr geehrte Frau Lang,
liebe Schülerinnen und Schüler,
werten Lehrerkollegium
werte Eltern und Gäste,

eine Schule, ein Gymnasium, braucht einen Namen. Einen Namen, der Schülerinnen und Schülern stolz macht, der Individualität und Identifikation verkörpert. Einen Namen, an dem man sich orientieren und messen kann. Und der getragen und unterstützt wird durch das Leitbild, durch die Leitgedanken des Gymnasiums.

Ihr habt euch, liebe Schülerinnen und Schüler, mächtig Zeit gelassen, den richtigen Namen zu finden und vielleicht auch euch zu finden. Was nicht immer einfach war, auch den Zusammenschluss des Neideck-Gymnasiums und des Johann-Gottfried-Herder Gymnasiums 2007 zu einem gemeinsamen Gymnasium.

Und deshalb freue ich mich, dass im Rahmen des Festjahres anlässlich der 750-Jahr-Feier Arnstadts, heute die offizielle Festveranstaltung zur Namensgebung des Arnstädter Gymnasiums stattfindet. Und dass, in einem so würdigem Rahmen, wie dem heutigen. In unserem schönen Theater im Schlossgarten.

Als Frau Stelzer auf mich zukam und mir mitteilte, dass man daran denke, dem Gymnasium den Namen Melissantes zu geben, war ich zunächst einmal sehr überrascht. Da bin ich ganz ehrlich!

 

Hatte ich doch eher, wie aus meiner Sicht, bekanntere Namen, wie Bach, Heinse, Alexis, Marlitt oder Bock gedacht! Aber je mehr man sich Melissantes und seinem Leben und Wirken widmet, umso mehr versteht man, welch große Persönlichkeit sich hinter diesem Menschen verbirgt. Mit der Entscheidung zur Namensgebung verleiht ihr Melissantes den Stellenwert in der Region, den er seit langem auf internationaler Ebene bereits besitzt, verleiht ihm Ehre und Anerkennung zugleich. So kann man euch sehr dankbar sein, dass Ihr eine zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit und sein Leben und Wirken in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit rückt.

Einem Menschen, dem man sehr wohl als ein „Universalgenie“ bezeichnen kann. Der als Schriftsteller, Geograph, und Historiker viele Jahre in Arnstadt arbeitete und wohnte, der sich später als Magister der Theologie und Pfarrer um das regionale Schulwesen kümmerte und die Erhaltung der Traukirche von Johann-Sebastian-Bach in Dornheim beförderte.

Er verfasste und veröffentlichte den ersten Thüringenführer überhaupt, unzählige Atlanten, Sagen und Märchensammlungen und das erste Benimmbuch. 70 Jahre vor Knigge. Darin schrieb er: „Wenn du redest, so liebe die Wahrheit, und bringe Sache mit Bedacht vor. Will dir jemand antworten, so falle ihm nicht ins Wort damit man nicht der Meynung werden muss, du seyst in deiner Einbildung superklug und hörest dich lieber als andere reden. Es ist besser, dass man sich in Gesellschaften des Hörens, als des Redens befleissige. Denn bei überflüssigem Reden, pfleget große Unbesonnenheit in der Übereilung mit unter zu laufen, worüber sich die Feinde kützeln und die Freund betrüben. Ein schlauer Zuhörer weiß sich alles, was in deinen Gesprächen vorkommt, zu Nutze zu machen: Denn das Gute wendet er zu seinem Vorteil an und das unartige lernet er zu vermeiden. Rede bringet Ehre, und bringet auch Schande.„ Wahre Worte! Die heute, wie damals, an Bedeutung nichts verloren haben. Wie wir gerade im Vortrag von Herrn Carsten Berndt hörten: Melissantes war auch ein Visionär, ein Revoluzzer, der sich für Bildung, Chancengleichheit und Religionsfreiheit einsetzte. Werte, für die es auch heute noch zu streiten gilt.

 

Gerade in der jetzigen Zeit, in der viele Menschen aufgrund andauernder Konflikte, Krieg und Vertreibung nah Deutschland geflohen sind, muss es unsere Zielstellung sein: allen Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, die Werte der unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen und zu reflektieren sowie für ein diskriminierungsfreies Zusammenleben einzustehen. Zivilcourage dort zu entwickeln, wo sie notwendig ist.

Ich kann Euch nur auffordern: Sich einzubringen, in demokratische Entscheidungsprozesse. Eure Meinung offen und ehrlich zu sagen, auch dort, wo sie vielleicht manchmal nicht mehrheitsfähig oder erwünscht ist. Aber dabei: immer auch die Überzeugung des anderen zu achten!

Und Melissantes lehr Euch: Die Welt als Ganzes zu sehen und zu erkennen. Sich ihrer anzunehmen, zu erhalten und dort, wo notwendig, zu verändern!

In diesem Sinne wünsche Ich weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

Lasst mich mit einem Zitat von Melissantes enden: „Die Bücher sind die unerschöpflichen Goldgruben der Weisheit, der Grund des Gedächtnisses und die Feind der Vergessenheit. Sie sind die Schalen wo das süße Manna verwahrt wird.“ Und vielleicht hätte er heute nicht nur die Bücher erwähnt, sondern um das Internet und die neuen Medien erweitert und ich bin mir sicher, seine mahnenden Worte wären hier gewesen: „ Doch differenziere man und überlege an genau, was man sich zu Eigen mache, aus dieser Überflut an Informationen.“ In diesem Sinne seit kritisch, hinterfragt und bewertet selbst.

Ihre Petra Enders