Eröffnung der Woche der erneuerbaren Energien 2016

3. Mai 2016

Sehr geehrter Herr Rektor Scharff,

sehr geehrter Herr Steffani,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

werte Kreistagsmitglieder,

werte Gäste,

es ist mir heute eine Freunde, die alle recht herzlich zur Eröffnungs-veranstaltung der Woche der Erneuerbaren Energien hier im Röntgensaal der Technischen Universität Ilmenau begrüßen zu dürfen, an dem Ort, an dem die Wissenschaft zur Hause ist. Aber vor allen Dingen  das Thema Energie in all seine Facetten in Lehre und Forschung einen großen Raum einnimmt.  Und deshalb so meine ich, gibt es gar keinen geeigneteren Ort für diese Eröffnungsveranstaltung.  

Meine Damen und Herren, der Ilm-Kreis führt diese Veranstaltungsreihe nun schon zum 19. Male durch. Unterstützt durch den EuT, Herrn Steffani als Vorsitzenden, der die Hauptorganisation im Auftrag des Ilm-Kreises übernommen hat, aber auch mit vielen weiteren Partnern, wie dem Thüringer Nachhaltigkeitszentrum in Arnstadt.  

Und lassen Sie mich das sagen: Wenn wir im Land  im Bereich Nachhaltigkeit weiter vorankommen wollen, wenn wir es ernst meinen mit der Umsetzung einer Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie , dann muss das Nachhaltigkeitszentrum  durch das Land Thüringen eine bessere finanzielle Stabilität und  damit Kontinuität erfahren. Und als Landrätin des Ilm-Kreises sage ich, muss es auch in Zukunft seinen festen Platz in unserer Kreisstadt in Arnstadt haben. Dazu wird noch intensiv zu sprechen sein.

Hinzu kommen Partner, wichtige Partner in der Umwelterziehung und Bildung in unserem Schülerfreizeitzentrum hier in Ilmenau.

Und freue mich, dass wir in der letzten Kreistagssitzung einen entscheidenden Beschluss zur Umsetzung der Grundsatzentscheidung zum Neubau des Hauptgebäudes/ Haus 1 des SFZ in Ilmenau (alter Beschluss: KT-B 126/15) gefasst haben, der die Grundlage dafür ist, die Schulungs- und Lernbedingungen wesentlich zu verbessern.  

Und ich sage das immer: Investitionen in Bildung sind gute, sind nachhaltige Investitionen, sind Investitionen in die Zukunft- und damit auch gut angelegtes Geld hier in Ilmenau!

Mein Dankeschön gilt aber auch weiteren Partnern bei der Organisation, wie Prof. Gobsch, von der Technischen Universität, sowie der Bürgerkraft Thüringen e. G, mit denen wir als Ilm-Kreis schon einige gemeinsame Projekte initiieren konnten. Denn gerade erneuerbare Energien sind prädestiniert vor Ort erzeugt und verbraucht zu werden. Das schafft Akzeptanz und  lässt Wertschöpfung in der Region. Deshalb sind Bürgergenossenschaften und Stadtwerke dabei unsere wichtigsten Partner!

Mein herzliches Dankeschön gilt somit allen, die unsere Woche der erneuerbaren Energien mit vorbereitet und organisiert haben, gilt unseren Schulen, die sich beteiligen, insbesondere unserer Gemeinschaftsschule Stadtilm, die in diesem Jahr Ausrichter des 11. Schulenergietages ist.

Meine Damen und Herren,

dieses Jahr hat die Woche der erneuerbaren Energien einen besonderen Hintergrund. Denn am 26. April 1986 , vor fast genau 30 Jahren ereignete sich, in Block 4 des Kernkraftwerkes Tschernobyl,  eine der schwersten atomaren Katastrophen.

Dieses tragische Ereignis -  die Nuklearkatastrophe  von Tschernobyl-  steht als Synonym für die Gefährlichkeit der Atomkraft!

Auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wurde sie als erstes Ereignis der Kategorie „katastrophaler Unfall“ zugeordnet.

Die in die Erdatmosphäre gelangten radioaktiven Stoffe kontaminierten infolge radioaktiven Niederschlags hauptsächlich die Region nordöstlich von Tschernobyl sowie viele Länder in Europa.

Die WHO hält insgesamt weltweit ca. 8000 Todesopfer für gesichert. Wobei heute noch keiner genau sagen kann, welche Folgeschäden, Krebserkrankungen, Missbildungen und ähnlichem auf diese Ursache zurückgehen.

Erst im Jahre 2000 erfolgte die endgültige Abschaltung des Kernkraftwerkes.

Und auch danach galt die Atomkraft seitens der Bundesregierung , trotz massiver Proteste vieler Teile der Bevölkerung, als die angeblich sauberste und angeblich billigste Form der Energieerzeugung.  

Die Bundesregierung blendete Sicherheit sowie ungeklärte Atomüll-endlagerung und deren Kosten vollständig aus.  Und: sie subventionierte diese Branche, wie kaum eine andere!

Währenddessen die Atomlobby und die 4 großen Energiekonzerne Milliardengewinne einfuhren- sind Folgekosten ungeklärt. Ich finde das unverantwortlich: Gewinne werden privatisiert, Verluste und Folgekosten sozialisiert – quasi verstaatlicht!

Erst mit Fukushima und durch den Druck der Öffentlichkeit setzte ein Umdenken auf bundespolitischer Ebene ein und wurde der Atomaussteig bis 2022 beschlossen.

Im Jahr 2022, meine Damen und Herren! Doch was passiert bis dahin? 

Jedes Jahr entstehen weiter beim Betreib der deutschen Atomkraftwerke 230 Tonnen abgebrannte Brennelemente. Laut Bundesamt für Strahlenschutz werden durch die Atomenergie bis zum endgültigen Ende
20 Tausend Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll produziert.

Wo dieser gefährliche Müll für eine Million Jahre sicher von der Umwelt ferngehalten werden kann, weiß bis heute niemand. 

Atomkraft ist bis heute nicht beherrschbar! Noch viele Generationen werden mit dem Erbe dieser Technologie zu kämpfen haben!

Atommüllendlagerung ist auch heute ein Schwerpunktthema unserer  Eröffnungsveranstaltung. Auch deshalb, weil uns Anfang des  Jahres eine Pressemitteilung erreichte zu einem möglichen Atommüllendlager im Ilm-Kreis.  Das hat Fragen hervorgerufen.

Grund waren Aussagen in der Studie zu geologischen Potentialen zur Einlagerung von radioaktiven Abfallstoffen durch die Universität Duisburg-Essen. Deshalb freue ich mich, dass wir heute einen der beiden Autoren der Studie, Herrn Prof. Ulrich Schreiber, begrüßen können.
Herzlich willkommen, schön, dass sie sich der Diskussion stellen!

Meine Damen und Herren, Ziel der heutigen Eröffnungsveranstaltung soll es sein, das Thema, das uns sicherlich noch lange beschäftigen wird, anzudiskutieren. Denn derzeit ist die „Kommission zur Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ durch den Bund damit betaut, Kriterien für die Endlagersuche aufzustellen. Der Endbericht wird im Sommer 2016 erwartet. Bis 2030 soll dann damit begonnen werden, konkrete Standorte zu erkunden.

Aber wir wollen auch jetzt schon deutlich machen. Der Ilm-Kreis ist bereits jetzt massiv von vielen Infrastrukturmaßnahmen belastet, wie die A71-Autobahn, die ICE-Neubautrasse und die 380 KV-Neubautrasse durch den Ilm-Kreis und den Thüringer Wald.

Ab Altenfeld sollte übrigens mit der P 44 eine neue Stromleitung als Versorgungsersatz für das AKW Grafenrheinfeld gebaut werden – laut Netzbetreiber dringendst notwendig zur Versorgungssicherheit.

Das AKW ist bereits vom Netz, bei der neue Trasse von Altenfeld nach Redwitz wurde erst vor kurzem 1 System in Betrieb genommen und um die P44 und deren Streckenführung wird in jedem neuen Netzentwicklungsplan neu gestritten – es gibt sie also noch gar nicht.

Aber eines ist klar: trotz Abschaltung des AKW und ohne Ersatzleitung sind die Lichter NICHT ausgegangen…

Und derzeit wird weiter geplant- nicht nur die P44, sondern auch der Neubau von Gleichstromtrassen ist möglicherweise durch den Ilm-Kreis geplant…

Aber: Weitere Eingriffe in die Natur- und Landschaft des Kreises  werden nicht mehr verkraftet und deshalb nicht mitgetragen, unabhängig von Wertschöpfungspotentialen, die dadurch in den Kommunen entstehen könnten.

Der Westthüringer CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Hirte forderte Thüringen sogar auf, sich aktiv für ein Atommüll-Endlager zu bewerben. Er sprach gar von neuen Perspektiven für ganze Landstriche – eine wirklich strahlende Idee aus seiner Sicht, denn – und ich zitiere aus seiner Presseinfo: „Wir haben genügend Platz“, „Die Entschädigungsleistungen des Bundes gleichen die Belastungen mehr als aus.“ Und „Entgegen aller Panikmache hat sich bisher nirgends auf der Welt gezeigt, dass die Folgen der Kernkraft nicht beherrschbar wären. Bei der Abwägung …finde ich es verlockend, dauerhaft hohe Einnahmen zu haben.“

Tschernobyl und Fokushima – ich bin der Ansicht: Kein Geld der Welt kann dieses Risiko ausgleichen, ein Risiko welches im Ernstfall über Generationen hinweg dramatische Auswirkungen hat.

Lassen Sie mich zum Schluss meiner Ausführungen Kommen:

Ich halte es immer so: Einer Ablehnung muss man auch immer eine Alternative entgegensetzen. Das tun wir im Ilm-Kreis mit der Umsetzung unseres Klimaschutz-programmes und Maßnahmen in Richtung Energieeinsparung, Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien.

Deshalb freue ich mich auch insbesondere auf den Vortrag von Herrn Dr. Hubert Aulich, von  Solarvalley Mitteldeutschland GmbH zum Thema: „Status und Zukunft der Solarenergie“.

Ich wünsche uns heute eine interessante Veranstaltung und der Woche der Erneuerbaren Energien 2016 viel Erfolg und viele neue Impulse und Anregungen!