Diese Entscheidung ist eine Ohrfeige für die Menschen in der Region

23. Februar 2015

Ilm-Kreis. 22. Januar 2015

„Dass ausgerechnet der Planfeststellungsbeschluss für den 3. Bauabschnitt der 380 kV-Leitung von Altenfeld zur Thüringer Landesgrenze eine der ersten wichtigen Entscheidungen des Kabinetts seitens der neuen Rot-Rot-Grünen-Landesregierung ist, die 380kV-Leitung über den Rennsteig einfach durchzuwinken, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich bin maßlos enttäuscht.

Ich habe wirklich eine ernsthafte und detaillierte, rechtliche und fachliche Prüfung erwartet. Und das halte ich angesichts in der Kürze der Zeit, in der die Landesregierung ihre Arbeit aufgenommen hat, für unmöglich“, so Landrätin Petra Enders unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Presseinfo durch 50 Hertz Transmission GmbH.

Petra Enders weiter: „Und wenn schon so eine unnötige Leitung genehmigt wird, dann verweise ich auf das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG). Das lässt am Rennsteig ausdrücklich Erdverkabelung zu.

Weitere aktuelle Veröffentlichungen aufgreifend sagt sie: „Und auch die Aussage der Landesregierung, dass die geplante Gleichstromleitung in Ostthüringen „vom Tisch“ sei, sehe ich angesichts des gültigen Bundesbedarfsplanes kritisch. Im aktuellen Netzentwicklungsplan 2014, 2. Entwurf, ist diese Trasse nicht nur enthalten, sondern wurde auch bewusst nach Westen verschoben – also weg von Ostthüringen in Richtung des 2. und 3. Bauabschnittes der 380 kV-Neubautrasse. Das würde eine zusätzliche parallele Stromautobahn von Erfurt über Altenfeld nach Schalkau durch den Ilm-Kreis und den Thüringer Wald bedeuten!“

Nachdrücklich stellt Sie nochmals fest: „Die neu gebaute 380 kV-Leitung und der nun genehmigte letzte Bauabschnitt haben nichts mit Versorgungssicherheit zu tun. Dieser überdimensionale Netzausbau erfolgt nicht, weil immer mehr erneuerbare Energien eingespeist werden, sondern weil auch zukünftig Kohlekraftwerke ungehindert weiter betrieben werden sollen. Untersuchungen der Übertragungsnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur zeigen, dass kritische Versorgungssituationen in den letzten Jahren in Deutschland nicht durch die Erneuerbaren Energien hervorgerufen wurden, sondern weil bei Starkwind zeitgleich ungehindert Kohlestrom exportiert werden sollte. Das ist ein eklatanter Widerspruch zur so oft zitierten Energiewende, die weniger Kohlestrom und mehr Erneuerbare Energien zum Ziel hat.

Und die Kosten für diesen ungehinderten Netzausbau trägt der deutsche Stromverbraucher, der schon die Mehrkosten der EEG-Vergütung zahlt. Und ihm wird immer wieder vorgegaukelt, dass der erhöhte Netzausbaubedarf durch den größer werdenden Anteil der erneuerbaren Energien verursacht wird.“

Sie fordert: „Bundesbedarfsplan und Netzentwicklungsplan sind grundsätzlich zu überprüfen. Und dabei müssen die Versorgungssicherheit und die Umsetzung der Ziele der Energiewende Bewertungsgrundlage für die Notwendigkeit einer Leitung sein.“

„Gerade der Rennsteig ist eines der sensibelsten und bedeutendsten Gebiete des Thüringer Waldes. Der nun genehmigte Bauabschnitt führt mittendurch. Nach vollständiger Vorlage des Planfeststellungsbeschlusses werden wir diese 275 Seiten genau prüfen, inwieweit Rechtsmittel dagegen eingelegt werden können.“ so Landrätin Petra Enders abschließend.

Auch gegenüber dem mdr habe ich scharfe Kritik an der Vorgehensweise geübt.